Sprichst du ein bisschen Französisch? Ja? Gut, denn wir sprechen kein bisschen Deutsch oder Englisch.
Oha. Naja, bisher verstehe ich alle ganz gut. Und V. gibt sich große Mühe langsam und deutlich zu sprechen. Sie wird mir alles zeigen und arbeitet zur gleichen Zeit wie ich, nämlich Montag bis Freitag von 9 bis 17 Uhr. Wir werden uns also ab jetzt jeden Tag sehen und zusammen arbeiten. Aber zuerst zeigt sie mir mein Appartement. Das Appartement ist ziemlich groß und schön mit 2 Zimmern und einem Bad. In dem kleineren Zimmer steht ein Bett und ein großer Kleiderschrank. In dem größeren Zimmer befindet sich die Küche und das Wohnzimmer. Ich glaube, ich habe hier wirklich alles: Kühlschrank, Mikrowelle, Herd, Fernseher, Telefon,... echt gut! Außerdem gibt es viele Fenster, 3 von 4 Seiten des Appartements haben mindestens eins. Wenn ich aus dem Schlafzimmerfenster schaue, sehe ich Weiden und Wald, sehr idyllisch.
Und meine erste Nacht in meinem Appartement war gut, aber alleine Frühstücken ist komisch. Apropos: ums Essen muss ich mich nicht wirklich kümmern. Wenn ich Hunger habe, kann ich einfach in die Küche gehen und S. fragen, er ist der Koch. Dort kann ich mir Brot, Milch, Käse, Obst, Wasser, Saft und natürlich Bier holen so oft ich möchte. Außerdem bekomme ich mittags und abends was Warmes. Auch um meine Wäsche muss ich mich nicht kümmern, mittwochs bringe ich alles in die Waschküche und Donnerstags hole ich es gewaschen wieder ab.
Bisher weiß ich, dass ich bald jeden Tag die Post an die Bewohner verteilen soll. Das wird nicht einfach, denn ich muss mir alle Namen merken und die dazugehörigen Zimmer- und das bei rund 100 Bewohnern. Eine andere Aufgabe wird sein, jeden Mittwoch Traubensaft und Brot für den Gottesdienst vorzubereiten und einige Bewohner, die nicht mehr so gut zu Fuß sind, abzuholen. Der Gottesdienst findet im Haus statt, jede Woche kommt ein anderer Pastor. Neben dem Gottesdienst gibt es noch die „Programmpunkte“ Chor, Stricken, Spielen (Lotto), Sport (Gymnastik), Messe (also auch Gottesdienst aber für alle Katholiken),... ich habe noch keine komplette Woche hinter mir, deshalb weiß ich noch nicht alles.
Alle Bewohner nehmen die Angebote gerne an und freuen sich über Gesellschaft und Abwechslung.
Die Bewohner sind ganz unterschiedlich. Einige brauchen nur etwas Hilfe, weil sie sich nicht mehr so gut bewegen können. Andere sind dement und würden ohne fremde Hilfe einen geregelten Tagesablauf nicht mehr zustande bringen. Wieder andere sind psychisch und physisch so sehr eingeschränkt, dass sie komplett versorgt werden müssen und manchmal ihr Bett nicht mehr verlassen können. Und dann gibt es auch einige, die ihren Lebensabend einfach nicht allein gestalten wollen. Besonders bemerkenswert finde ich auch die Pärchen: hier ist meistens nur eine Person pflegebedürftig, und beide haben sich gemeinsam für das Altenheim entschieden. Sie wohnen dann in einem etwas größerem Doppelzimmer.
Ich finde diese Idee sehr mutig und schön, denn so hat der Partner, der später „übrig“ bleibt schon eine feste Struktur, die ihn auffängt und Lebenssinn gibt.
Ich glaube, dass mich die Bewohner eigentlich ganz ok finden- jedenfalls wurde ich erst einmal beleidigt, weil ich eine Deutsche bin. Die Bewohnerin hat sich dann unter Tränen bei mir entschuldigt, aber aufgrund ihrer Demenz hatte sie es nach 5 Minuten wieder vergessen.
Die Mitarbeiter sind sehr freundlich und hilfsbereit. Zum Beispiel ist heute bei mir im Appartement der Strom ausgefallen und der „Hausmeister“ ist extra hergekommen, obwohl Sonntag war und er frei hatte. Es stellte sich heraus, dass mein von zu Hause mitgebrachter Wasserkocher schuld war. Dieser verschwand plötzlich aus meiner Wohnung und ich war sehr verwirrt und fragte mich warum jemand meinen Wasserkocher klauen sollte. Im Endeffekt hatte der Hausmeister festgestellt, dass der Kocher defekt ist und ihn mit nach Hause genommen, um ihn zu reparieren. Schon Morgen soll ich ihn wiederbekommen.
Insgesamt habe ich mich schon ganz gut „installiert“ ( Tu a te bien installée?), allerdings fällt es mir schwer allein zu wohnen. Ich hatte mich nicht darauf vorbereitet und es ist auch so gar nicht mein Ding. Mir fehlt das gemeinsame Kaffee trinken mit meiner Familie am Nachmittag und der obligatorische Tatort- Sonntag.
Es ist eine ganz schöne Herausforderung aber sicherlich eine gute Erfahrung.
Bisher habe ich noch nichts in Dour (ca. 2 Autominuten von mir) gefunden, was ich nach Feierabend machen möchte. Mons ist sicherlich ein gutes Ziel, für jeden Abend ist es allerdings zu schwer zu erreichen. Mit dem Auto brauche ich ungefähr 20 Minuten, aber mit dem Bus dauert es eine gute ¾ Stunde- zusätzlich fährt der letzte Bus um halb 10 zurück. Aber ich gebe die Hoffnung nicht auf und bin mir sicher, dass ich bald etwas Interessantes für mich finde.
Das hast du sehr schön be- und geschrieben. Man kann sich alles genau vorstellen. Bis heute Abend am Telefon.
AntwortenLöschenDicker Kuss, M
mimi was ist denn deine telefonnummer? hast du denn auch ein handy? und deine adresse?
AntwortenLöschenbis auf die einsamkeit klingt das alles ja ganz toll!
aber wie schwer, dass immer einer oder keiner übrig bleibt bei euch. bei mir bin ich bisher nur auf VERSUCHE gestossen.
bis bald, meine liebe, grüss deine mama schön, wenn du mit ihr redest.
Hey bei dir klingt das ja voll nach Luxus wenn man deine Beschreibung des Appartements liest... aber ich kann mir gut vorstellen, dass dir Gesellschaft fehlt. Naja ich könnte jetzt sagen bei mir isses anders rum aber mittlerweile fühl ich mich hier auch schon richtig heimisch:-).
AntwortenLöschenHast du denn dann auch einen Sprachkurs?
Liebe Grüße
Tina
Hey Hübsche!
AntwortenLöschenLiest sich sehr fein, was du da schreibst!
Ich bewundere dich für deinen Mut & ich denke du wirst Erfahrungen machen, die du dein ganzes Leben lang nutzen kannst!
Kopf hoch & (du weißt schon...) pass auf, dass alles gut zu sehen ist!:)